Formvorschriften, §§ 125 ff. BGB Schema
5854
  • Formvorschriften, §§ 125 ff. BGB

    • Varianten

      • gesetzliche Schriftform, § 126 BGB

          1. Unterschrift
          2. gleiche Urkunde (Tackerproblematik)
            1. körperliche Verbindung der einzelnen Blätter
            2. Paginierung und fortlaufende Nummerierung der einzelnem Bestimmungen
        • Beispiel
          arbeitsrechtliche Kündigung, (§ 623 BGB )

        • Beispiel
          Kündigung im von Wohnraum-Miete (§ 568 BGB )

        • elektronische Form, § 126a BGB

          • Signatur nach SigG = Sicherungsmittel
            • Zertifikat + Signaturkarte
          • De-Mail = sicheres Transportmittel zwischen 2 De-Mail-Konten
            • Akkreditierungesetzliche Schuldverhältnisseerfahren + Chipkarte
            • optional Absenderbestätigung
          • Beweis im Prozess
            • mittels Augenschein nach § 371 I 2 ZPO von Datenträger
            • oder Papierausdruck nach freier Beweiswürdigung § 286 I ZPO
            • §§ 371a, 371b ZPO echte Urkunde = Beweisregeln nach § 286 II ZPO
              • eingescannt und mit Signatur versehen
              • § 371b ZPO öffentliche elektronische Akten
          • nur natürliche Personen
            • eIDAS-VO: auch jur P mit elektronischem Siegel
              • mit qual. elektr. Zeitstempeln versehen, Art. 41 II
              • elektr Einschreiben, Art. 43 II
              • gesetzliche Vermutung des § 292 ZPO
      • Textform, § 126b BGB

        • zur dauerhaften Wiedergabe geeignet

          • Email (+)
            • Beweis im Prozess
              • Papierausdruck nach freier Beweiswürdigung § 286 I ZPO
              • (P) Beweiseignung für Unverfälschtheit/ Autorenschaft
              • Anscheinsbeweis des Zugangs durch automatische Lesebestätigung
                • sonst modifizierte Darlegungslast
                • (P) Anhänge vs. Spamfilter als Zugangesetzliche Schuldverhältnisseereitelung
                • z.B. telefonisch oder schriftlich ankündigen oder bestätigen
          • SMS (+)
          • Homepage (-)
        • Urkunde

      • gewillkürte Schriftform, § 127 BGB

        • Erleichterungen gegenüber § 126 BGB

        • Beispiel
          Kündigung Handyvertrag, Kündigung Stromanbieter

        • Beispiel
          Änderung des Arbeitsvertrags

        • wenn Schriftform vereinbart, reicht bloße Email ohne Signatur

          • Auslegungsregel → im Zweifel
          • Arg.: Erklärtes Ziel des Gesetzgebers = dem modernen technischen Standard und der verbreiteten Praxis Rechnung zu tragen
          • z.B.: Postzustellung ist zu streng (man kann auch selbst einwerfen)
        • konkludente Aufhebung (idR durch mündl. / Emailangebot zur Vertragsänderung)

          • einfache Schriftformklausel
            • ganz h.M. konkludent aufhebbar
            • (P) auch unbewusst Erklärungswille notwendig?
              • h.M.: auch unbewusst
                • Arg.: entscheidend ist, was Parteien in dem Moment gewollt haben
                • Arg.: Privatautonomie
                • Arg.: Folge des § 125 S.2 BGB tritt nur im Zweifel ein - hier aber Zweifel gerade ausgeräumt
              • man muss nicht an vorher denken
          • qualifizierte Schriftformklausel
            • h.M.: auch hier konkludent aufhebbar, wenn in AGB
              • §§ 300b, 307 II BGB - Individualabrede hat immer Vorrang
              • Arg.: Verzicht auf zukünftige Vertragsfreiheit ist unmöglich
            • → ansonsten: Bindung
      • Notar § 128 BGB

        • Stufenbeurkundung

        • § 311b BGB , KV über Grundstücke

          • (P) fallen Verrechnungsabreden auch unter § 311b BGB
            • Beispiel
              A verkauft an B für 300k, sie geben bei Notar aber nur 200k an, weil der A dem B noch 100k schuldet, die sie verrechnen wollen
            • ja, aber unschädl. wenn K die Belege nachweist
              • Arg.: § 139 BGB widerlegt
              • Arg.: die Parteien wussten was sie tun, wollten Vertrag notfalls auch ohne Abrede
          • 'stehen und fallen' Rechsprechung
            • alle Vertragsbestandteile, mit denen die Vereinbarung stehen und fallen soll, sind beurkundungspflichtig
            • Beispiel
              Gegenleistungen, Zahlungsmodalitäten, Nutzungsentgelte, Gewährleistungsregeln
            • Beispiel
              z.B. (-): falsche beeurkundung der Angabe, dass Kaufpreis schon gezahlt
    • Heilung, Überwindung der Formvorschriften

      • geschriebene Heilung

      • ungeschriebene Heilung, Überwindet § 242 BGB den § 125 BGB ?

        • agl. Täuschung bei Vertragsschluss

        • bewusste Nichteinhhaltung

          • Edelmann Fall
            • Parteien vertrauen sich so, dass sie keinen Schutz wollen
          • § 242 BGB idR (-), daher § 125 BGB (+)
            • Arg.: wer sein Geschäft bewusst nicht dem Recht untersellt, dem hilft das Recht auch nicht
        • unbewusste Nichteinhaltung

          • Bauträger Fall
          • § 242 BGB idR (-), daher § 125 BGB (+)
            • Ausnahme bei unerträglichen Ergebnissen
            • Beispiel
              Anwalt A will K Grundsück verkaufen. Obwohl er Zweifel hat, ob dies wirklich formlos möglich ist, belassen sie es bei bloßer Schriftform
            • nur neg. Interesse, das dem pos. Interesse nicht gleichkommen darf (keine Naturalrestitution)
              • sonst quasi Erfüllung/ Unterlaufen v. § 125 BGB
            • es haftet nur der Profi
    • Grundlagen

    • Grenzfälle

        • eigentlich nicht, weil nicht an Verkauf gebunden, aber

        • Arg.: Faktischer Zwang zum Abschluss bei zu hoher Vertragsstrafe

        • Arg.: Umgehung der Warnfunktion

      • Aufhebung v. formb. RG (z.B.: § 311 BGB b)

        • KV wurde schon vollzogen

          • Aufhebung ist formbedürftig. § 311b BGB
          • Arg.: wie jeder andere Grundstücksvertrag
        • KV wurde noch nicht vollzogen

          • Aufhebung formlos möglich
          • Arg.: Schutzzweck des § 311b BGB nicht berührt (Warnfuntion)
          • Formbedürftigkeit str.
            • e.A.: (+)
              • Arg.: Schutz des K, wesensgleiches Minus
            • h.M.: (-)
              • Arg.: AnwartschaftsR soll nur vor Zwischenverfügungen, nicht vor Übereilung schützen
      • Stellvertretung ohne Kenntlichmachung

        • Beispiel
          Vertreter V unterschreibt Bürgschaft mit Namen des Hintermanns 'Bü' ohne Kürzel (i.V., i.A.)

        • Stellvertr. wirksam ?

          • e.A.: nichtig
            • Arg.: Vertrauensschutz, Unterzeichner wird auch als Aussteller einer WE erwartet
          • h.M.: wirksam
            • Arg.: Gewohnheitsrecht, Interessen sind gewahrt
              • aus Sicht des Geschäftspartners (Bank) hat Hintermann WE abgegeben
              • Wille des Hintermanns wird gefolgt
        • Schriftform gewahrt ?

          • h.M.: ja
            • Arg.: Gewohnheitsrecht
          • a.A.: nein
            • Arg.: klarer Wortlaut '... vom Aussteller eigenhändig ...'
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